Veeam Backup and Recovery: Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten (CVE-2024-40711)
Veröffentlicht In CISA KEV seit Quellen: CVE.org, pwn.watch
Was ist betroffen, was ist zu tun
Ein Deserialisierungsfehler in Veeam Backup and Replication ermöglicht es einem unauthentifizierten Angreifer, Remote-Code-Ausführung (RCE) durchzuführen. Das Problem betrifft Versionen von 12.0.0.1420 bis 12.2.0.334. Es wird aktiv in Ransomware-Kampagnen seit Oktober 2024 ausgenutzt. Ein sofortiges Patchen auf die neueste Version ist dringend erforderlich, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Die Schwachstelle wird aktiv ausgenutzt; behandeln Sie sie vorrangig. CISA führt sie als in Ransomware-Kampagnen genutzte Schwachstelle. Aktualisieren Sie veeam_backup_\&_replication auf Version 12.2.0.334. Sofortmaßnahmen, Mitigation und Erkennungsregeln stehen im Runbook unten.
- Betroffen
- Veeam Backup and Recovery
lte 12.1.2..12.1.2
- Veeam Backup and Recovery
Unklar, ob und wie Sie betroffen sind? Frage zu dieser Schwachstelle stellen
Metriken
9,8
Priorität
XIEM Effective CVSS: höchste verfügbare CVSS-Bewertung aus NVD- und Herstellerangaben.
Quelle: NVD, CVSS v3
9,8
CVSS v3
Schweregrad Kritisch auf der Skala von 0 bis 10.
Quelle: CVE.org, pwn.watch
90,4 %
EPSS-Score
Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
Quelle: FIRST EPSS, Perzentil 99,80
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- Schweregrad
- Kritisch
Priorität (0–325)
Der Priorisierungs-Score ist eine zusammengeführte Kennzahl, die mehrere Einzelsignale zu einer einzigen, handlungsleitenden Rangfolge verdichtet: technische Schwere (CVSS), Ausnutzungswahrscheinlichkeit (EPSS), der Status als bekannt ausgenutzt (KEV) und der Kontext des betroffenen Assets. Ziel ist die Antwort auf die einzig wirklich wichtige Frage im Schwachstellenmanagement: Was zuerst?
Im Glossar lesen- 259.89 Methodik
Exploit-Reife
Ein Exploit ist Code oder eine Technik, die eine konkrete Schwachstelle gezielt ausnutzt, um ein unbeabsichtigtes Verhalten zu erzwingen — etwa Code auszuführen oder Rechte auszuweiten. Er ist das Werkzeug, das aus einer theoretischen Lücke einen praktischen Angriff macht.
Im Glossar lesen- aktiv ausgenutzt
XIEM Effective CVSS
XIEM® ist das gestufte Managed-Security-Betriebsmodell von NEOSEC und eine eingetragene Marke der NEOSEC GmbH. Es erweitert klassisches SIEM — die zentrale Sammlung, Normalisierung und Korrelation sicherheitsrelevanter Ereignisse — um Endpunkt-Forensik, Netzwerk-Sichtbarkeit und Täuschungstechnik und führt diese zu drei aufeinander aufbauenden Stufen zusammen: Sentry, Orchestrate und Command.
Im Glossar lesen- 9,8 Methodik
CVSS v3
CVSS ist der weltweit verbreitete, offene Standard zur Bewertung der technischen Schwere einer Schwachstelle auf einer Skala von 0 bis 10. Er beschreibt, wie leicht eine Lücke ausnutzbar ist und welchen Schaden sie anrichten kann — nicht jedoch, wie wahrscheinlich ihre tatsächliche Ausnutzung ist. CVSS und das ergänzende EPSS beantworten bewusst unterschiedliche Fragen.
Im Glossar lesen- 9,8
EPSS-Score
Der EPSS-Score ist der absolute Modell-Output für eine einzelne Schwachstelle: die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer realen Ausnutzung in den nächsten 30 Tagen, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % bis 100 %). Ein Score von 0,42 bedeutet „das Modell schätzt eine 42-prozentige Chance auf reale Ausnutzung binnen 30 Tagen“.
Im Glossar lesen- 90,4 %
- Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
EPSS-Perzentil
Das EPSS-Perzentil ist die relative Einordnung einer Schwachstelle innerhalb aller EPSS-bewerteten CVEs, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1. Ein Perzentil von 0,90 bedeutet „diese CVE hat einen höheren EPSS-Score als 90 % aller anderen bewerteten CVEs“. Anders als der EPSS-Score ist es keine Wahrscheinlichkeit — sondern eine Positionierung im Ranking.
Im Glossar lesen- 99,80
- Kritisch – CVE liegt im obersten Fünftel aller heute bewerteten CVEs (Rang ≥ 80 %).
KEV-Status
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt
- Veröffentlicht
In CISA KEV seit
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesen
Behebung und Mitigation
Warum sofort handeln?
Priorisierung
Die Schwachstelle ist ohne Authentifizierung über das Netzwerk mit geringer Komplexität ausnutzbar und führt zur vollständigen Kompromittierung des Backup-Servers. Die Ausnutzungswahrscheinlichkeit gilt als sehr hoch, und CISA führt eine bekannte Nutzung in Ransomware-Kampagnen. Angreifer nutzen den VBR-Server gezielt, um vor der Verschlüsselung Sicherungen zu löschen und gespeicherte Zugangsdaten zu Hypervisoren und zur Domäne abzugreifen. Damit wird ein einzelner Server zum Schlüssel für die gesamte Infrastruktur. Für jede Organisation mit Veeam 12.x ist dies Priorität 1 mit Patch innerhalb von 24 h. Bei Erreichbarkeit aus VPN- oder Benutzernetzen gilt die Lage als akuter Notfall mit sofortiger Kompromittierungsprüfung.
Schritt 1 im Runbook
Sofort-Response (0-24 h)
- Patch einspielen: Alle Veeam Backup & Replication-Server der Version 12.x auf Build 12.2.0.334 oder neuer aktualisieren. Den aktuellsten Fix-Build und die KB-Referenz im Veeam Security Bulletin nachschlagen. Betroffen ist laut Kontext der Bereich 12.0.0.1420 bis 12.2.0.334. Den installierten Build über „Help > About“ in der Konsole oder per Dateiversion von
Veeam.Backup.Service.exeverifizieren. - Inventarisierung: Alle VBR-Server, Konsolen-Installationen und Proxys erfassen, auch Altinstallationen in Außenstellen und bei Dienstleistern. Ungepatchte Systeme sofort als kritisch kennzeichnen.
- Netzwerkzugriff sperren: Bis zum Patch eingehende Verbindungen zum VBR-Server ausschließlich aus dem Backup-Management-Netz zulassen. Öffentliche Forschung beschreibt die Ausnutzung über den Mount-Service auf TCP 8000. Diesen Port sowie die übrigen Veeam-Dienstports per Host-Firewall auf bekannte Proxy- und Repository-IPs beschränken. Keine Erreichbarkeit aus dem VPN-Benutzernetz zulassen.
- Kompromittierungsprüfung: Auf ungepatchten Systemen nach neu angelegten lokalen Konten und unerwarteten Mitgliedern der Gruppen „Administratoren“ und „Remotedesktopbenutzer“ suchen. Bei einem Treffer das System isolieren und den Vorfall gemäß NIS2-Meldeprozess eskalieren (Frühwarnung innerhalb von 24 h).
- Zugangsdaten rotieren: Bei Verdacht alle in der Veeam-Konfigurationsdatenbank hinterlegten Zugangsdaten zurücksetzen. Dazu gehören vCenter/ESXi, Hyper-V, Domänenkonten, Repository-, Cloud- und SQL-Konten.
- VPN-Zugänge härten: Fernzugänge ohne MFA sofort absichern. Kompromittierte VPN-Konten waren ein häufig beobachteter Erstzugang, über den der VBR-Server anschließend erreicht wurde.
- Patch einspielen: Alle Veeam Backup & Replication-Server der Version 12.x auf Build 12.2.0.334 oder neuer aktualisieren. Den aktuellsten Fix-Build und die KB-Referenz im Veeam Security Bulletin nachschlagen. Betroffen ist laut Kontext der Bereich 12.0.0.1420 bis 12.2.0.334. Den installierten Build über „Help > About“ in der Konsole oder per Dateiversion von
Schritt 2 im Runbook
Mitigation-Layer
- Netzwerksegmentierung: Den VBR-Server in ein eigenes Management-VLAN legen. Ein Default-Deny gilt sowohl für Clients und VPN-Pools als auch für das Internet. Ausgehende Verbindungen nur zu definierten Zielen erlauben: Hypervisor, Repositories und Veeam-Update-Server.
- IPS/NDR: Alarmieren bei Verbindungen auf TCP 8000 und weitere Veeam-Dienstports, deren Quelle nicht zu den bekannten Veeam-Komponenten gehört. Zusätzlich nach .NET-Remoting- bzw. BinaryFormatter-Payloads in Richtung des VBR-Servers suchen, sofern der Hersteller der IPS-Lösung Signaturen für CVE-2024-40711 bereitstellt.
- Identitäts- und Rechteverwaltung: Den VBR-Server gemäß Veeam-Best-Practice nicht in die Produktionsdomäne einbinden, sondern eine separate Management-Domäne oder Workgroup nutzen. Dienstkonten mit minimalen Rechten betreiben und für die Konsolenanmeldung MFA aktivieren.
- Backup-Resilienz: Unveränderliche Sicherungen nutzen, etwa ein Hardened Linux Repository, S3 Object Lock oder eine Offline-Kopie nach der 3-2-1-1-0-Regel. So sind Wiederherstellungsdaten auch bei kompromittiertem VBR-Server geschützt. Die Immutability-Zeiträume prüfen.
- Endpunkthärtung: Mit EDR bzw. ASR-Regeln verhindern, dass Veeam-Dienstprozesse
cmd.exe,powershell.exe,net.exeodernet1.exestarten. Zuvor im Audit-Modus testen.
Schritt 3 im Runbook
Detection-Regeln
- Prozessabstammung (Sysmon EID 1 / EDR): Ein Veeam-Dienst als Elternprozess startet eine Shell oder ein Administrationswerkzeug. Sigma-Form:
ParentImage|endswith: '\Veeam.Backup.MountService.exe' AND Image|endswith: ['\cmd.exe','\powershell.exe','\net.exe','\net1.exe']. - Kontoanlage (Windows Security Log): Event ID 4720 (Benutzer angelegt), gefolgt von 4732 (Aufnahme in eine lokale Gruppe wie Administratoren oder Remotedesktopbenutzer) auf dem VBR-Host. KQL:
SecurityEvent | where Computer has "vbr" and EventID in (4720,4732). - Laterale Bewegung: Event ID 4624 mit LogonType 10 (RDP) oder 3 durch neu angelegte Konten auf dem VBR-Server. Ebenfalls verdächtig sind Anmeldungen kurz nach einer VPN-Sitzung ohne MFA.
- Netzwerktelemetrie (Zeek/Suricata):
conn.logauf eingehende Verbindungen zuid.resp_p == 8000am VBR-Server auswerten, deren Quelle nicht zu Proxys oder Repositories gehört. SPL:index=zeek dest_ip=<VBR> dest_port=8000 NOT src_ip IN (<veeam_components>). - Credential-Abfluss: Zugriffe auf die Veeam-Konfigurationsdatenbank (SQL/PostgreSQL) durch nicht-Veeam-Prozesse beobachten. Auffällig sind auch Ausführungen von
sqlcmd.exeoder PowerShell-Skripten mit Veeam-Credential-Dump-Mustern.
- Prozessabstammung (Sysmon EID 1 / EDR): Ein Veeam-Dienst als Elternprozess startet eine Shell oder ein Administrationswerkzeug. Sigma-Form:
Erkennungsregeln
Für diese Schwachstelle liegt noch keine NEOSEC-Erkennungsregel vor.
Einordnung nach NIS2 und CRA
Regelbasierte Einordnung aus Ausnutzungsstatus und Schweregrad. Sie ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
NIS2
NIS2 ist die EU-Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus in der Union. Sie weitet Pflichten gegenüber der ersten NIS-Richtlinie deutlich aus: mehr Sektoren, verbindliches Risikomanagement, gestufte Meldepflichten und persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt: Behandeln Sie die Schwachstelle im Schwachstellenmanagement nach Art. 21 Abs. 2 lit. e NIS2 vorrangig. Wird sie in Ihrer Umgebung ausgenutzt, prüfen Sie die Meldepflicht nach Art. 23 (Frühwarnung binnen 24 Stunden).
CRA
Der CRA ist die EU-Verordnung (EU) 2024/2847 mit horizontalen Cybersicherheitsanforderungen an „Produkte mit digitalen Elementen“ — von Industriesteuerungen über Software bis zu vernetzten Verbrauchergeräten. Erstmals müssen Hersteller Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten, Schwachstellen behandeln und Sicherheitsupdates bereitstellen.
Im Glossar lesen- Seit dem 11.09.2026 müssen Hersteller betroffener Produkte mit digitalen Elementen aktiv ausgenutzte Schwachstellen nach Art. 14 CRA melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die zentrale Meldeplattform der ENISA.
ISO/IEC 27001
ISO/IEC 27001 ist der international führende Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er beschreibt einen risikobasierten, prozessorientierten Rahmen, um Informationssicherheit systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und zu verbessern.
Im Glossar lesen- Maßnahme A.8.8, Management technischer Schwachstellen: Relevanz für Ihre Systeme bewerten, Behebung einplanen und nachweisen.
Beschreibung
Eine Schwachstelle bei der Deserialisierung von nicht vertrauenswürdigen Daten mit einem bösartigen Payload kann eine unbefugte Ferncodeausführung (RCE) ermöglichen.
Originalquelle nur englisch verfügbar, maschinell ins Deutsche übersetzt.
Quelle: cvelistv5, pwn.watch, NVD (NIST), CISA KEV Catalog, CVE.org (MITRE)
Betroffene Produkte
Betroffen sind die folgenden Versionen. Ältere Stände derselben Reihe sind ebenfalls verwundbar, sofern nicht anders angegeben.
| Betroffene Versionen | Behoben in | ||
|---|---|---|---|
| Veeam | Backup and Recovery |
|
|
| veeam | veeam_backup_\&_replication |
|
|
Hersteller und Produkte
Öffentliche Exploit-Referenzen
Öffentlich gemeldete Proof-of-Concepts, Exploit-Module und Detection-Templates zu dieser Schwachstelle. NEOSEC verlinkt ausschließlich auf die Originalquellen und stellt keinen Exploit-Code bereit.
| CISA KEV Catalog | CISA Known Exploited Vulnerability (öffnet in neuem Tab)cisa.gov | aktiv ausgenutzt | |
| Referenz mit Exploit-Kennzeichnung | labs.watchtowr.com (öffnet in neuem Tab) | PoC (öffentlich gemeldet)gemeldet, nicht verifiziert | — |
Quellen & Referenzen
- veeam.comVeeam advisory: CVE-2024-40711Herstellerhinweis, pwn-watch
- labs.watchtowr.comveeam-backup-response-rce-with-auth-but-mostly-without-auth-cve…Exploit, Hinweis Dritter
- cisa.govknown-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2024-40711government-resource, US-Behörde
- pwn.watchpwn.watch: Veeam Backup and Replication Deserializationpwn-watch
- NVD (NIST)NVD: CVE-2024-40711pwn-watch
- cisa.govCISA Known Exploited Vulnerabilities Catalogpwn-watch
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