Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016: Code-Injection (CVE-2025-49704)
Veröffentlicht In CISA KEV seit Quellen: NCSC NZ, pwn.watch, SingCERT, CVE.org, Msrc Update Guide
- Aktiv ausgenutzt
- Quelle: VulnCheck KEV (öffnet in neuem Tab), NCSC NZ, CSA/SingCERT So stufen wir ein
- Ransomware
Was ist betroffen, was ist zu tun
Ungenaue Steuerung der Codegenerierung ("Codeinjektion") in Microsoft Office SharePoint ermöglicht es einem autorisierten Angreifer, über ein Netzwerk Code auszuführen.
Die Schwachstelle wird aktiv ausgenutzt; behandeln Sie sie vorrangig. CISA führt sie als in Ransomware-Kampagnen genutzte Schwachstelle. Aktualisieren Sie Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016 auf Version 16.0.5508.1000, Microsoft SharePoint Server 2019 auf Version 16.0.10417.20027. Sofortmaßnahmen, Mitigation und Erkennungsregeln stehen im Runbook unten.
- Betroffen
- Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016
lt 16.0.0..16.0.5508.1000 - Microsoft SharePoint Server 2019
lt 16.0.0..16.0.10417.20027
- Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016
- Behoben in
- Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016
16.0.5508.1000 - Microsoft SharePoint Server 2019
16.0.10417.20027
- Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016
Unklar, ob und wie Sie betroffen sind? Frage zu dieser Schwachstelle stellen
Metriken
8,8
Priorität
XIEM Effective CVSS: höchste verfügbare CVSS-Bewertung aus NVD- und Herstellerangaben.
Quelle: NVD, CVSS v3
8,8
CVSS v3
Schweregrad Hoch auf der Skala von 0 bis 10.
Quelle: NCSC NZ, pwn.watch, SingCERT, CVE.org, Msrc Update Guide
—
EPSS-Score
Für diese Schwachstelle liegt kein Wert vor.
Alle Metriken anzeigen
- Schweregrad
- Kritisch
Priorität (0–325)
Der Priorisierungs-Score ist eine zusammengeführte Kennzahl, die mehrere Einzelsignale zu einer einzigen, handlungsleitenden Rangfolge verdichtet: technische Schwere (CVSS), Ausnutzungswahrscheinlichkeit (EPSS), der Status als bekannt ausgenutzt (KEV) und der Kontext des betroffenen Assets. Ziel ist die Antwort auf die einzig wirklich wichtige Frage im Schwachstellenmanagement: Was zuerst?
Im Glossar lesen- 258.81 Methodik
Exploit-Reife
Ein Exploit ist Code oder eine Technik, die eine konkrete Schwachstelle gezielt ausnutzt, um ein unbeabsichtigtes Verhalten zu erzwingen — etwa Code auszuführen oder Rechte auszuweiten. Er ist das Werkzeug, das aus einer theoretischen Lücke einen praktischen Angriff macht.
Im Glossar lesen- aktiv ausgenutztQuelle: VulnCheck KEV (öffnet in neuem Tab), NCSC NZ, CSA/SingCERT So stufen wir ein
XIEM Effective CVSS
XIEM® ist das gestufte Managed-Security-Betriebsmodell von NEOSEC und eine eingetragene Marke der NEOSEC GmbH. Es erweitert klassisches SIEM — die zentrale Sammlung, Normalisierung und Korrelation sicherheitsrelevanter Ereignisse — um Endpunkt-Forensik, Netzwerk-Sichtbarkeit und Täuschungstechnik und führt diese zu drei aufeinander aufbauenden Stufen zusammen: Sentry, Orchestrate und Command.
Im Glossar lesen- 8,8 Methodik
CVSS v3
CVSS ist der weltweit verbreitete, offene Standard zur Bewertung der technischen Schwere einer Schwachstelle auf einer Skala von 0 bis 10. Er beschreibt, wie leicht eine Lücke ausnutzbar ist und welchen Schaden sie anrichten kann — nicht jedoch, wie wahrscheinlich ihre tatsächliche Ausnutzung ist. CVSS und das ergänzende EPSS beantworten bewusst unterschiedliche Fragen.
Im Glossar lesen- 8,8
EPSS-Perzentil
Das EPSS-Perzentil ist die relative Einordnung einer Schwachstelle innerhalb aller EPSS-bewerteten CVEs, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1. Ein Perzentil von 0,90 bedeutet „diese CVE hat einen höheren EPSS-Score als 90 % aller anderen bewerteten CVEs“. Anders als der EPSS-Score ist es keine Wahrscheinlichkeit — sondern eine Positionierung im Ranking.
Im Glossar lesen- 99,99
- Kritisch – CVE liegt im obersten Fünftel aller heute bewerteten CVEs (Rang ≥ 80 %).
KEV-Status
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt
- Veröffentlicht
In CISA KEV seit
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesenCWE
CWE ist ein Katalog typischer Schwächen-Arten in Software und Hardware — etwa fehlerhafte Eingabevalidierung, unsichere Speicherbehandlung oder mangelhafte Authentisierung. Während eine CVE eine konkrete Schwachstelle in einem konkreten Produkt benennt, beschreibt eine CWE die zugrunde liegende Fehlerklasse.
Im Glossar lesen- CWE-94
Behebung und Mitigation
Warum sofort handeln?
Priorisierung
Die Schwachstelle ist Kernbestandteil einer massenhaft ausgenutzten Angriffskette: Zusammen mit dem Authentifizierungs-Bypass CVE-2025-49706 entfällt die nominell erforderliche Anmeldung, und es entsteht eine unauthentifizierte, aus dem Netz erreichbare Remote-Code-Ausführung mit vollständigem Verlust von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Die Ausnutzungswahrscheinlichkeit gehört zur absoluten Spitzengruppe. CISA bestätigt den Einsatz in Ransomware-Kampagnen, betroffen sind breit gestreut Behörden, KRITIS-Betreiber und Unternehmen mit On-Premises-SharePoint. Internetexponierte SharePoint-2016/2019-Farmen sind als kritischer Notfall zu behandeln: patchen, Schlüssel rotieren und eine Kompromittierungsprüfung noch heute durchführen. Rein interne Farmen haben hohe Priorität, weil sie für Angreifer nach einem Erstzugriff ein attraktives Ziel für laterale Bewegung sind.
Schritt 1 im Runbook
Sofort-Response (0-24 h)
- Sicherheitsupdates einspielen, bevorzugt die für CVE-2025-53770: Diese schließen den Patch-Bypass zu CVE-2025-49704 und schützen wirksamer. Zielversionen sind mindestens SharePoint Enterprise Server 2016 Build 16.0.5508.1000 und SharePoint Server 2019 Build 16.0.10417.20027. Die exakten KB-Nummern der CVE-2025-53770-Updates stehen im Microsoft-Advisory. Bei SharePoint Subscription Edition die Betroffenheit dort ebenfalls prüfen.
- Internetexponierte SharePoint-Server sofort vom öffentlichen Zugriff trennen, falls das Update nicht binnen Stunden möglich ist. Veröffentlichungsregeln für 80/443 auf Reverse-Proxy oder Firewall deaktivieren oder den Zugriff auf VPN bzw. bekannte Quell-IP-Bereiche beschränken.
- ASP.NET-Maschinenschlüssel (ValidationKey/DecryptionKey) rotieren — erst nach dem Patch: per
Update-SPMachineKeybzw. dem Timer-Job „Machine Key Rotation Job“ in der Zentraladministration, anschließendiisresetauf allen Farmservern. In bekannten Angriffsketten werden die Schlüssel exfiltriert und für gefälschte__VIEWSTATE-Payloads weiterverwendet. Ein Patch ohne Schlüsselrotation lässt die Persistenz bestehen. - Kompromittierungsprüfung durchführen: In den Verzeichnissen
...\Web Server Extensions\15\TEMPLATE\LAYOUTS\und...\16\TEMPLATE\LAYOUTS\nach neu angelegten.aspx-Dateien suchen, insbesondere nachspinstall0.aspxoder Varianten davon. Bei einem Fund gilt der Host als kompromittiert: Er wird isoliert, forensisch gesichert und nach Incident-Response-Prozess behandelt. - Zugangsdaten zurücksetzen: SharePoint-Farm-, Dienst- und Anwendungspool-Konten sowie alle auf dem Server hinterlegten Geheimnisse zurücksetzen, sobald Hinweise auf eine Ausnutzung vorliegen.
Schritt 2 im Runbook
Mitigation-Layer
- Endpunkthärtung: Die AMSI-Integration für SharePoint aktivieren (Full Mode) und Microsoft Defender Antivirus oder ein gleichwertiges AMSI-fähiges Produkt auf allen SharePoint-Servern betreiben. AMSI blockiert bösartige Anfragen vor der Verarbeitung durch die Anwendung.
- WAF-/IPS-Regel: POST-Anfragen auf
/_layouts/15/ToolPane.aspx(und/_layouts/16/ToolPane.aspx) blockieren, wenn derReferer/_layouts/SignOut.aspxenthält oder der Query-StringDisplayMode=Editmit unauthentifizierter Sitzung einhergeht. Das ist das bekannte Muster der Kette mit CVE-2025-49706. Ergänzend Anfragen mit übergroßem__VIEWSTATE-Parameter von externen Quellen drosseln oder protokollieren. - Netzwerksegmentierung: SharePoint-Server in eine eigene Zone legen. Ausgehende Verbindungen ins Internet nur über einen Proxy mit Allowlist zulassen und die laterale Bewegung zu Domänencontrollern und SQL-Servern auf die notwendigen Ports begrenzen.
- Prozesskontrolle: Per ASR-Regel, AppLocker oder WDAC verhindern, dass
w3wp.exedie Prozessecmd.exe,powershell.exe,csc.exeoderrundll32.exestartet. Auf SharePoint-Servern gibt es dafür keinen legitimen Grund. - Least Privilege: Anwendungspool-Identitäten ohne lokale Administratorrechte betreiben und Schreibrechte auf
TEMPLATE\LAYOUTSauf Installationskonten beschränken.
Schritt 3 im Runbook
Detection-Regeln
- IIS-Logs: Nach Ausnutzungsversuchen suchen, z. B. in SPL:
index=iis cs_uri_stem="*/_layouts/1*/ToolPane.aspx" cs_method=POST cs_Referer="*SignOut.aspx*". Treffer von externen IPs sind als Ausnutzungsversuch zu werten. - Sysmon EID 11 / EDR-Dateiereignis: Erstellung von
*.aspxunter*\TEMPLATE\LAYOUTS\*durchw3wp.exe,cmd.exeoderpowershell.exe. Sigma-Form:TargetFilename|contains: '\TEMPLATE\LAYOUTS\'undTargetFilename|endswith: '.aspx'. Anschließend den GET-Abruf genau dieser Datei im IIS-Log korrelieren. - Prozessabstammung (Sysmon EID 1 / Event ID 4688):
w3wp.exe→cmd.exe/powershell.exemit-EncodedCommand. KQL:DeviceProcessEvents | where InitiatingProcessFileName =~ "w3wp.exe" and FileName in~ ("cmd.exe","powershell.exe"). - Schlüsselabfluss: Hinweise darauf sind PowerShell- bzw. .NET-Reflection-Aufrufe auf
System.Web.Configuration.MachineKeySectionsowie Antworten der Webshell, dieValidationKeyenthalten. Ebenso verdächtig ist ein späterer Anstieg gültiger, aber ungewöhnlich großer__VIEWSTATE-POSTs. - Netzwerk (Zeek/Suricata): Neue ausgehende Verbindungen von SharePoint-Servern zu unbekannten Zielen kurz nach verdächtigen ToolPane-Anfragen.
- IIS-Logs: Nach Ausnutzungsversuchen suchen, z. B. in SPL:
Erkennungsregeln
Für diese Schwachstelle liegt noch keine NEOSEC-Erkennungsregel vor.
Einordnung nach NIS2 und CRA
Regelbasierte Einordnung aus Ausnutzungsstatus und Schweregrad. Sie ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
NIS2
NIS2 ist die EU-Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus in der Union. Sie weitet Pflichten gegenüber der ersten NIS-Richtlinie deutlich aus: mehr Sektoren, verbindliches Risikomanagement, gestufte Meldepflichten und persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt: Behandeln Sie die Schwachstelle im Schwachstellenmanagement nach Art. 21 Abs. 2 lit. e NIS2 vorrangig. Wird sie in Ihrer Umgebung ausgenutzt, prüfen Sie die Meldepflicht nach Art. 23 (Frühwarnung binnen 24 Stunden).
CRA
Der CRA ist die EU-Verordnung (EU) 2024/2847 mit horizontalen Cybersicherheitsanforderungen an „Produkte mit digitalen Elementen“ — von Industriesteuerungen über Software bis zu vernetzten Verbrauchergeräten. Erstmals müssen Hersteller Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten, Schwachstellen behandeln und Sicherheitsupdates bereitstellen.
Im Glossar lesen- Seit dem 11.09.2026 müssen Hersteller betroffener Produkte mit digitalen Elementen aktiv ausgenutzte Schwachstellen nach Art. 14 CRA melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die zentrale Meldeplattform der ENISA.
ISO/IEC 27001
ISO/IEC 27001 ist der international führende Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er beschreibt einen risikobasierten, prozessorientierten Rahmen, um Informationssicherheit systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und zu verbessern.
Im Glossar lesen- Maßnahme A.8.8, Management technischer Schwachstellen: Relevanz für Ihre Systeme bewerten, Behebung einplanen und nachweisen.
Beschreibung
Ungenaue Steuerung der Codegenerierung ("Codeinjektion") in Microsoft Office SharePoint ermöglicht es einem autorisierten Angreifer, über ein Netzwerk Code auszuführen.
Originalquelle nur englisch verfügbar, maschinell ins Deutsche übersetzt.
Quelle: NCSC NZ (CC BY 4.0), pwn.watch, CSA/SingCERT, NVD (NIST), Microsoft Security Update Guide, CISA KEV Catalog, CVE.org (MITRE), cvelistv5
Betroffene Produkte
Betroffen sind die folgenden Versionen. Ältere Stände derselben Reihe sind ebenfalls verwundbar, sofern nicht anders angegeben.
| Betroffene Versionen | Behoben in | ||
|---|---|---|---|
| Microsoft | Microsoft SharePoint Enterprise Server 2016 |
|
|
| Microsoft | Microsoft SharePoint Server 2019 |
|
|
| microsoft | sharepoint_server |
|
|
Hersteller und Produkte
Weakness-Klassen (CWE)
CWE-94Improper Control of Generation of Code ('Code Injection')
Base
The product constructs all or part of a code segment using externally-influenced input from an upstream component, but it does not neutralize or incorrectly neutralizes special elements that could modify the syntax or behavior of the intended code segment.
Eintrag bei MITRE CWE-94
Öffentliche Exploit-Referenzen
Öffentlich gemeldete Proof-of-Concepts, Exploit-Module und Detection-Templates zu dieser Schwachstelle. NEOSEC verlinkt ausschließlich auf die Originalquellen und stellt keinen Exploit-Code bereit.
| CISA KEV Catalog | CISA Known Exploited Vulnerability (öffnet in neuem Tab)cisa.gov | aktiv ausgenutzt | |
| CSA/SingCERT | Critical Vulnerabilities in Microsoft Sharepoint (öffnet in neuem Tab)CSA/SingCERT | aktiv ausgenutzt | |
| NCSC NZ | CVE-2025-53770 and CVE-2025-53771 affecting Microsoft Sharepoint (öffnet in neuem Tab)NCSC NZ | aktiv ausgenutzt |
Quellen & Referenzen
- Microsoft Security Update GuideMicrosoft SharePoint Remote Code Execution VulnerabilityHerstellerhinweis, Patch, Herstellerhinweis
- microsoft.comDisrupting active exploitation of on-premises SharePoint vulnerabilitiesHerstellerhinweis, Herstellerhinweis, pwn-watch
- cisa.govknown-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2025-49704government-resource, US-Behörde
- pwn.watchpwn.watch: ToolShell: mass exploitation of on-prem SharePoint (CVE-2025-53770, CVE-2025-49704, CVE-2025-49706)pwn-watch
- microsoft.comCustomer guidance for SharePoint vulnerability CVE-2025-53770pwn-watch
- research.eye.securitySharePoint Under Siege: ToolShell Exploitpwn-watch
- cisa.govUPDATE: Microsoft Releases Guidance on Exploitation of SharePoint Vulnerabilitiespwn-watch
- enisa.europa.euJoint Statement on SharePoint vulnerabilitiespwn-watch
- NVD (NIST)NVD: CVE-2025-53770pwn-watch
- NVD (NIST)NVD: CVE-2025-49704pwn-watch
- NVD (NIST)NVD: CVE-2025-49706pwn-watch
- cisa.govCISA Known Exploited Vulnerabilities Catalogpwn-watch
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