KritischCVE-2023-29300

    Adobe ColdFusion: Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten (CVE-2023-29300)

    Veröffentlicht In CISA KEV seit Quellen: pwn.watch, CVE.org

    Was ist betroffen, was ist zu tun

    Diese Schwachstelle ermöglicht eine unautorisierte Remote-Code-Ausführung (RCE) durch Deserialisierung von nicht vertrauenswürdigen Daten in Adobe ColdFusion-Versionen 2018u16 und früher, 2021u6 und früher sowie 2023.0.0.330468 und früher. Ein Angreifer kann vollständige Kontrolle über das betroffene System erlangen, ohne dass Benutzerinteraktion erforderlich ist. Die Schwachstelle wird aktiv in Ransomware-Kampagnen seit 2023 ausgenutzt und ist im CISA KEV-Verzeichnis gelistet. Unternehmen sollten dringend auf die neueste Version aktualisieren, um die Sicherheitslücke zu schließen.

    Die Schwachstelle wird aktiv ausgenutzt; behandeln Sie sie vorrangig. CISA führt sie als in Ransomware-Kampagnen genutzte Schwachstelle. Die vorliegenden Quellen nennen keine Fix-Version. Prüfen Sie die Herstellerhinweise in den Referenzen unten. Sofortmaßnahmen, Mitigation und Erkennungsregeln stehen im Runbook unten.

    Betroffen
    • Adobe ColdFusion lte *..2023.0.0.330468

    Unklar, ob und wie Sie betroffen sind? Frage zu dieser Schwachstelle stellen

    Metriken

    9,8

    Priorität

    XIEM Effective CVSS: höchste verfügbare CVSS-Bewertung aus NVD- und Herstellerangaben.

    Quelle: NVD, CVSS v3

    9,8

    CVSS v3

    Schweregrad Kritisch auf der Skala von 0 bis 10.

    Quelle: pwn.watch, CVE.org

    99,99 %

    EPSS-Score

    Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.

    Quelle: FIRST EPSS, Perzentil 99,99

    Alle Metriken anzeigen
    Schweregrad
    Kritisch
    Priorität (0–325)

    Der Priorisierungs-Score ist eine zusammengeführte Kennzahl, die mehrere Einzelsignale zu einer einzigen, handlungsleitenden Rangfolge verdichtet: technische Schwere (CVSS), Ausnutzungswahrscheinlichkeit (EPSS), der Status als bekannt ausgenutzt (KEV) und der Kontext des betroffenen Assets. Ziel ist die Antwort auf die einzig wirklich wichtige Frage im Schwachstellenmanagement: Was zuerst?

    Im Glossar lesen
    257.03 Methodik
    Exploit-Reife

    Ein Exploit ist Code oder eine Technik, die eine konkrete Schwachstelle gezielt ausnutzt, um ein unbeabsichtigtes Verhalten zu erzwingen — etwa Code auszuführen oder Rechte auszuweiten. Er ist das Werkzeug, das aus einer theoretischen Lücke einen praktischen Angriff macht.

    Im Glossar lesen
    aktiv ausgenutzt
    XIEM Effective CVSS

    XIEM® ist das gestufte Managed-Security-Betriebsmodell von NEOSEC und eine eingetragene Marke der NEOSEC GmbH. Es erweitert klassisches SIEM — die zentrale Sammlung, Normalisierung und Korrelation sicherheitsrelevanter Ereignisse — um Endpunkt-Forensik, Netzwerk-Sichtbarkeit und Täuschungstechnik und führt diese zu drei aufeinander aufbauenden Stufen zusammen: Sentry, Orchestrate und Command.

    Im Glossar lesen
    9,8 Methodik
    CVSS v3

    CVSS ist der weltweit verbreitete, offene Standard zur Bewertung der technischen Schwere einer Schwachstelle auf einer Skala von 0 bis 10. Er beschreibt, wie leicht eine Lücke ausnutzbar ist und welchen Schaden sie anrichten kann — nicht jedoch, wie wahrscheinlich ihre tatsächliche Ausnutzung ist. CVSS und das ergänzende EPSS beantworten bewusst unterschiedliche Fragen.

    Im Glossar lesen
    9,8
    EPSS-Score

    Der EPSS-Score ist der absolute Modell-Output für eine einzelne Schwachstelle: die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer realen Ausnutzung in den nächsten 30 Tagen, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % bis 100 %). Ein Score von 0,42 bedeutet „das Modell schätzt eine 42-prozentige Chance auf reale Ausnutzung binnen 30 Tagen“.

    Im Glossar lesen
    99,99 %
    Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
    EPSS-Perzentil

    Das EPSS-Perzentil ist die relative Einordnung einer Schwachstelle innerhalb aller EPSS-bewerteten CVEs, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1. Ein Perzentil von 0,90 bedeutet „diese CVE hat einen höheren EPSS-Score als 90 % aller anderen bewerteten CVEs“. Anders als der EPSS-Score ist es keine Wahrscheinlichkeit — sondern eine Positionierung im Ranking.

    Im Glossar lesen
    99,99
    Kritisch – CVE liegt im obersten Fünftel aller heute bewerteten CVEs (Rang ≥ 80 %).
    KEV-Status

    Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.

    Im Glossar lesen
    Aktiv ausgenutzt
    Veröffentlicht
    In CISA KEV seit

    Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.

    Im Glossar lesen
    CWE

    CWE ist ein Katalog typischer Schwächen-Arten in Software und Hardware — etwa fehlerhafte Eingabevalidierung, unsichere Speicherbehandlung oder mangelhafte Authentisierung. Während eine CVE eine konkrete Schwachstelle in einem konkreten Produkt benennt, beschreibt eine CWE die zugrunde liegende Fehlerklasse.

    Im Glossar lesen
    CWE-502

    Behebung und Mitigation

    Warum sofort handeln?

    Priorisierung

    Die Schwachstelle ist von CISA KEV mit Ransomware-Nutzungs-Flag markiert und zählt zu den am stärksten ausgenutzten CVEs überhaupt — Exploit-Ketten (teils gemeinsam mit CVE-2023-26360) sind öffentlich und in kommerziellen Toolkits integriert. Die Angriffsvoraussetzungen sind trivial: netzwerkerreichbarer ColdFusion-Server, keine Authentifizierung, keine Nutzerinteraktion, direktes RCE als Service-Account. Für NIS2-pflichtige Organisationen mit ColdFusion-Instanzen im Perimeter oder in DMZ-Webstacks ist das ein Patch-Now-Case mit höchster Dringlichkeit; intern-only-Instanzen bleiben kritisch, weil der Deserialisierungs-Bug auch als Lateral-Movement-Pivot nach initialem Phishing-Zugang genutzt wird.

    1. Schritt 1 im Runbook

      Sofort-Response (0-24 h)

      • Adobe-Patch sofort einspielen: ColdFusion 2018 Update 17, 2021 Update 7 bzw. 2023 Update 1 (APSB23-40/APSB23-41). Alle Instanzen unterhalb dieser Stände gelten als kompromittierbar — ohne Authentifizierung, ohne Nutzerinteraktion.
      • Internet-exponierte ColdFusion-Server (TCP 80/443, 8500, 8300) umgehend hinter Reverse-Proxy/WAF ziehen oder temporär vom Netz nehmen, bis das Update eingespielt und verifiziert ist.
      • CFIDE-Administrator-Pfade (/CFIDE/administrator/, /CFIDE/adminapi/, /CFIDE/componentutils/) extern blockieren — per WAF, Reverse-Proxy-Deny oder Firewall-ACL. Diese Pfade sind primärer Angriffsvektor für Deserialisierungs-Chains.
      • Compromise-Assessment starten: Webroot und cfusion/wwwroot/CFIDE/ nach unbekannten .cfm/.jsp-Dateien, Webshells und kürzlich modifizierten Dateien (mtime seit erstem bekannten PoC-Datum) durchsuchen. Besonderes Augenmerk auf Dateien mit zufälligen Namen.
      • Service-Account des ColdFusion-Prozesses rotieren und seine Berechtigungen auf OS-Ebene prüfen; bei RCE-Verdacht Host isolieren und forensisches Image ziehen, bevor neu aufgesetzt wird.
      • Secrets rotieren, die auf dem Host erreichbar sind: Datasource-Zugangsdaten, API-Keys in neo-datasource.xml, Session-Secrets, hinterlegte SMTP-/LDAP-Credentials.
    2. Schritt 2 im Runbook

      Mitigation-Layer

      • Netzwerksegmentierung: ColdFusion-Hosts in separates VLAN, ausgehende Verbindungen auf Allowlist beschränken (nur benötigte DB, SMTP, Update-Server). Keine Egress-Verbindungen zu beliebigen Internet-IPs auf Port 80/443/4444.
      • WAF-Regeln aktivieren, die serialisierte Java-Objekte in Request-Bodies und Query-Parametern blockieren (Magic Bytes aced 0005, Base64 rO0AB). Zusätzlich Pattern für ColdFusion-Deserialisierungs-Chains (AnotherMonitor, com.sun.rowset.JdbcRowSetImpl).
      • Lockdown-Guide von Adobe anwenden: coldfusion.css entfernen, Administrator-Interface auf localhost beschränken, Robust Exception Information deaktivieren, Sandbox Security aktivieren.
      • JVM-Härtung: in jvm.config nicht benötigte Classloader-Pfade entfernen, Java-Version auf aktuellen Patchstand. Falls möglich, ColdFusion mit minimalen OS-Rechten (dedizierter Service-User, kein lokaler Admin/root) betreiben.
      • Reverse Proxy (nginx, IIS ARR, Apache) vorschalten, der nur definierte URI-Patterns zur Anwendung durchlässt und /CFIDE/administrator/* ausschliesslich für interne Management-Netze freigibt.
      • EDR mit Regel für Prozess-Spawn aus coldfusion.exe/jrun.exe nach cmd.exe, powershell.exe, wscript.exe, certutil.exe, rundll32.exe — in regulärem CF-Betrieb nicht erwartbar.
    3. Schritt 3 im Runbook

      Detection-Regeln

      • Web-Access-Logs: POST-Requests auf /CFIDE/adminapi/*, /CFIDE/componentutils/* oder /CFIDE/administrator/* von externen IPs, insbesondere mit Content-Type: application/x-www-form-urlencoded und auffälligen Payload-Längen. KQL-Shape: W3CIISLog | where csUriStem startswith "/CFIDE/" and csMethod == "POST" and scStatus in (200,500).
      • Sysmon EID 1 / EDR: Child-Prozesse von coldfusion.exe oder jrun.exe (parent) → cmd.exe, powershell.exe, whoami, net.exe, certutil, curl, wget. Sigma: parent_image|endswith: '\coldfusion.exe' + verdächtiges image.
      • File-Integrity-Monitoring auf wwwroot/CFIDE/ und cfusion/wwwroot/: neue oder modifizierte .cfm, .jsp, .class ausserhalb von Deployment-Fenstern — klassischer Webshell-Dropoff.
      • Netzwerk/Zeek/Suricata: ausgehende Verbindungen vom ColdFusion-Host zu nicht registrierten Download-Zielen auf Port 80/443/4444/8080 kurz nach einem verdächtigen POST. Suricata-Signaturen für CVE-2023-29300/-26360 (ET/Emerging Threats SIDs liegen vor) aktivieren.
      • Windows Security Log: Logons mit dem ColdFusion-Service-Account von anderen Hosts (EID 4624 Type 3/10) oder Erzeugung neuer lokaler User/Gruppen (EID 4720/4732) kurz nach Web-Anomalie.

    Erkennungsregeln

    Für diese Schwachstelle liegt noch keine NEOSEC-Erkennungsregel vor.

    Einordnung nach NIS2 und CRA

    Regelbasierte Einordnung aus Ausnutzungsstatus und Schweregrad. Sie ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

    NIS2

    NIS2 ist die EU-Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus in der Union. Sie weitet Pflichten gegenüber der ersten NIS-Richtlinie deutlich aus: mehr Sektoren, verbindliches Risikomanagement, gestufte Meldepflichten und persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung.

    Im Glossar lesen
    Aktiv ausgenutzt: Behandeln Sie die Schwachstelle im Schwachstellenmanagement nach Art. 21 Abs. 2 lit. e NIS2 vorrangig. Wird sie in Ihrer Umgebung ausgenutzt, prüfen Sie die Meldepflicht nach Art. 23 (Frühwarnung binnen 24 Stunden).
    CRA

    Der CRA ist die EU-Verordnung (EU) 2024/2847 mit horizontalen Cybersicherheitsanforderungen an „Produkte mit digitalen Elementen“ — von Industriesteuerungen über Software bis zu vernetzten Verbrauchergeräten. Erstmals müssen Hersteller Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten, Schwachstellen behandeln und Sicherheitsupdates bereitstellen.

    Im Glossar lesen
    Seit dem 11.09.2026 müssen Hersteller betroffener Produkte mit digitalen Elementen aktiv ausgenutzte Schwachstellen nach Art. 14 CRA melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die zentrale Meldeplattform der ENISA.
    ISO/IEC 27001

    ISO/IEC 27001 ist der international führende Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er beschreibt einen risikobasierten, prozessorientierten Rahmen, um Informationssicherheit systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und zu verbessern.

    Im Glossar lesen
    Maßnahme A.8.8, Management technischer Schwachstellen: Relevanz für Ihre Systeme bewerten, Behebung einplanen und nachweisen.

    Beschreibung

    Adobe ColdFusion-Versionen 2018u16 (und früher), 2021u6 (und früher) und 2023.0.0.330468 (und früher) sind von einer Schwachstelle beim Deserialisieren unvertraulicher Daten betroffen, die zu beliebiger Codeausführung führen könnte. Die Ausnutzung dieses Problems erfordert keine Benutzerinteraktion.

    Originalquelle nur englisch verfügbar, maschinell ins Deutsche übersetzt.

    Quelle: pwn.watch, NVD (NIST), CISA KEV Catalog, CVE.org (MITRE), cvelistv5

    Betroffene Produkte

    Betroffen sind die folgenden Versionen. Ältere Stände derselben Reihe sind ebenfalls verwundbar, sofern nicht anders angegeben.

    Betroffene Produkte
    Betroffene VersionenBehoben in
    AdobeColdFusion
    • ≤ 2023.0.0.330468
    • —
    adobecoldfusion
    • 2018
    • 2021
    • 2023
    • —
    • —
    • —

    Hersteller und Produkte

    Weakness-Klassen (CWE)

    • CWE-502Deserialization of Untrusted Data

      Base

      The product deserializes untrusted data without sufficiently ensuring that the resulting data will be valid.

      Eintrag bei MITRE CWE-502

    Öffentliche Exploit-Referenzen

    Öffentlich gemeldete Proof-of-Concepts, Exploit-Module und Detection-Templates zu dieser Schwachstelle. NEOSEC verlinkt ausschließlich auf die Originalquellen und stellt keinen Exploit-Code bereit.

    Öffentliche Exploit-Referenzen
    CISA KEV CatalogCISA Known Exploited Vulnerability (öffnet in neuem Tab)cisa.govaktiv ausgenutzt

    Quellen & Referenzen

    • helpx.adobe.comAdobe advisory: CVE-2023-29300Herstellerhinweis, Herstellerhinweis, pwn-watch
    • cisa.govknown-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2023-29300government-resource, Hinweis Dritter, US-Behörde
    • pwn.watchpwn.watch: Adobe ColdFusion: 2 actively exploited vulnerabilitiespwn-watch
    • helpx.adobe.comAdobe advisory: CVE-2023-38203pwn-watch
    • NVD (NIST)NVD: CVE-2023-29300pwn-watch
    • NVD (NIST)NVD: CVE-2023-38203pwn-watch
    • cisa.govCISA Known Exploited Vulnerabilities Catalogpwn-watch
    Badge einbetten

    Zeigen Sie Schweregrad und KEV-Status dieser Schwachstelle auf Ihrer Seite – mit Link hierher. Das Bild wird stündlich aktualisiert.

    Badge-Vorschau für CVE-2023-29300
    <a href="https://intel.neosec.eu/cve/CVE-2023-29300"><img src="https://intel.neosec.eu/badge/cve/CVE-2023-29300.svg" alt="CVE-2023-29300 – NEOSEC Intel" height="20"></a>