KritischCVE-2023-22527

    Atlassian Confluence Data Center: Template-Injection (CVE-2023-22527)

    Veröffentlicht In CISA KEV seit Quellen: pwn.watch, CVE.org, BSI

    Was ist betroffen, was ist zu tun

    Eine Vorlageninjektionsanfälligkeit in älteren Versionen von Confluence Data Center und Server ermöglicht es einem nicht authentifizierten Angreifer, RCE auf einer betroffenen Instanz zu erreichen. Kunden, die eine betroffene Version verwenden, müssen sofort handeln.

    Die Schwachstelle wird aktiv ausgenutzt; behandeln Sie sie vorrangig. CISA führt sie als in Ransomware-Kampagnen genutzte Schwachstelle. Aktualisieren Sie Atlassian Confluence Data Center auf Version 8.5.4, Atlassian Confluence Server auf Version 8.5.4. Sofortmaßnahmen, Mitigation und Erkennungsregeln stehen im Runbook unten.

    Betroffen
    • Atlassian Confluence Data Center lt 8.0.0..8.5.4
    • Atlassian Confluence Server lt 8.0.0..8.5.4
    Behoben in
    • Atlassian Confluence Data Center 8.5.4
    • Atlassian Confluence Server 8.5.4

    Unklar, ob und wie Sie betroffen sind? Frage zu dieser Schwachstelle stellen

    Metriken

    10,0

    Priorität

    XIEM Effective CVSS: höchste verfügbare CVSS-Bewertung aus NVD- und Herstellerangaben.

    Quelle: Hersteller (CNA), CVSS v3

    10,0

    CVSS v3

    Schweregrad Kritisch auf der Skala von 0 bis 10.

    Quelle: pwn.watch, CVE.org, BSI

    99,98 %

    EPSS-Score

    Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.

    Quelle: FIRST EPSS, Perzentil 99,98

    Alle Metriken anzeigen
    Schweregrad
    Kritisch
    Priorität (0–325)

    Der Priorisierungs-Score ist eine zusammengeführte Kennzahl, die mehrere Einzelsignale zu einer einzigen, handlungsleitenden Rangfolge verdichtet: technische Schwere (CVSS), Ausnutzungswahrscheinlichkeit (EPSS), der Status als bekannt ausgenutzt (KEV) und der Kontext des betroffenen Assets. Ziel ist die Antwort auf die einzig wirklich wichtige Frage im Schwachstellenmanagement: Was zuerst?

    Im Glossar lesen
    259.27 Methodik
    Exploit-Reife

    Ein Exploit ist Code oder eine Technik, die eine konkrete Schwachstelle gezielt ausnutzt, um ein unbeabsichtigtes Verhalten zu erzwingen — etwa Code auszuführen oder Rechte auszuweiten. Er ist das Werkzeug, das aus einer theoretischen Lücke einen praktischen Angriff macht.

    Im Glossar lesen
    aktiv ausgenutzt
    XIEM Effective CVSS

    XIEM® ist das gestufte Managed-Security-Betriebsmodell von NEOSEC und eine eingetragene Marke der NEOSEC GmbH. Es erweitert klassisches SIEM — die zentrale Sammlung, Normalisierung und Korrelation sicherheitsrelevanter Ereignisse — um Endpunkt-Forensik, Netzwerk-Sichtbarkeit und Täuschungstechnik und führt diese zu drei aufeinander aufbauenden Stufen zusammen: Sentry, Orchestrate und Command.

    Im Glossar lesen
    10,0 Methodik
    CVSS v3

    CVSS ist der weltweit verbreitete, offene Standard zur Bewertung der technischen Schwere einer Schwachstelle auf einer Skala von 0 bis 10. Er beschreibt, wie leicht eine Lücke ausnutzbar ist und welchen Schaden sie anrichten kann — nicht jedoch, wie wahrscheinlich ihre tatsächliche Ausnutzung ist. CVSS und das ergänzende EPSS beantworten bewusst unterschiedliche Fragen.

    Im Glossar lesen
    10,0
    EPSS-Score

    Der EPSS-Score ist der absolute Modell-Output für eine einzelne Schwachstelle: die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer realen Ausnutzung in den nächsten 30 Tagen, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % bis 100 %). Ein Score von 0,42 bedeutet „das Modell schätzt eine 42-prozentige Chance auf reale Ausnutzung binnen 30 Tagen“.

    Im Glossar lesen
    99,98 %
    Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
    EPSS-Perzentil

    Das EPSS-Perzentil ist die relative Einordnung einer Schwachstelle innerhalb aller EPSS-bewerteten CVEs, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1. Ein Perzentil von 0,90 bedeutet „diese CVE hat einen höheren EPSS-Score als 90 % aller anderen bewerteten CVEs“. Anders als der EPSS-Score ist es keine Wahrscheinlichkeit — sondern eine Positionierung im Ranking.

    Im Glossar lesen
    99,98
    Kritisch – CVE liegt im obersten Fünftel aller heute bewerteten CVEs (Rang ≥ 80 %).
    KEV-Status

    Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.

    Im Glossar lesen
    Aktiv ausgenutzt
    Veröffentlicht
    In CISA KEV seit

    Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.

    Im Glossar lesen

    Behebung und Mitigation

    Warum sofort handeln?

    Priorisierung

    Diese Schwachstelle rangiert unter den top-exploitierten CVEs der letzten Jahre: unauthentifizierte, netzwerkerreichbare OGNL-Template-Injection mit zuverlässigem RCE und sehr hoher Exploitation-Wahrscheinlichkeit — bestätigt durch die KEV-Ransomware-Flag von CISA. Massenscans auf Confluence-Endpunkte sind seit Januar 2024 Dauerzustand; Betreiberorganisationen in KRITIS-, Finanz- und öffentlichen Sektoren sind primäre Ziele, da Confluence typischerweise Zugangsdaten, Netzpläne und API-Tokens zu nachgelagerten Systemen enthält. Jede internetexponierte Instanz muss als P1-Incident behandelt werden; intern erreichbare Instanzen P2, sofern Lateral-Movement-Pfade (phished VPN-Account, kompromittierter Entwickler-Client) realistisch sind. Da das Patchen allein keine bereits installierte Webshell entfernt, ist bei verzögerter Reaktion (>72 h nach Erst-PoC) ein Compromise-Assessment zwingend vor Wiederfreigabe.

    1. Schritt 1 im Runbook

      Sofort-Response (0-24 h)

      • Confluence Data Center und Server auf Version 8.5.4 oder höher patchen (bzw. auf eine der von Atlassian als „fixed" markierten Branches: 8.5.4 LTS; neuere unterstützte Versionen enthalten den Fix bereits). Version 8.7.0 ist explizit verwundbar und muss auf eine gepatchte Linie migriert werden.
      • Jede über das Internet erreichbare Confluence-Instanz unverzüglich hinter eine Authentifizierungsschicht (VPN, Reverse-Proxy mit mTLS, Zero-Trust-Gateway) ziehen oder temporär offline nehmen, bis der Patch installiert ist — der Exploit ist unauthentifiziert und erfordert keine Interaktion.
      • Forensische Prüfung VOR dem Patch: Snapshot/Memory-Dump der VM sichern, da Patchen potenzielle Webshells nicht entfernt. Verzeichnisse confluence/temp/, confluence/work/ sowie das Plugin-Verzeichnis auf unbekannte JSP/Class-Dateien, veränderte velocity-Templates und neue Cron-/systemd-Einheiten prüfen.
      • Dienst-Account von Confluence (DB-User, LDAP-Bind-Account, SMTP-Credentials, API-Tokens zu Jira/Bitbucket/Bamboo) rotieren, ebenso alle Personal Access Tokens — bei RCE ist von vollständiger Credential-Kompromittierung auszugehen.
      • Ausgehende Verbindungen des Confluence-Hosts auf bekannte Infrastruktur (Update-Server, SMTP, DB) einschränken; Blocklisten für C2-Patterns (DNS-Tunneling, Raw-TCP zu Hochports) am Perimeter aktivieren.
    2. Schritt 2 im Runbook

      Mitigation-Layer

      • Netzwerksegmentierung: Confluence in eigenes VLAN, Zugriff aus Internet nur über Reverse-Proxy mit URL-Allowlist. Pfade wie /template/aui/text-inline.vm und generell *.vm-Zugriffe von extern am Reverse-Proxy (nginx location ~* \.vm$ { deny all; } bzw. Apache <LocationMatch>) blockieren.
      • WAF-/IPS-Regel: HTTP-POST-Requests mit OGNL-Pattern (\u0027, #request, #parameters, Runtime.getRuntime, ProcessBuilder, freemarker.template.utility.Execute) im Body oder Query gegen Confluence-Endpunkte blockieren. Snort/Suricata-Rules für CVE-2023-22527 sind bei Emerging Threats verfügbar (ET-SID im Bereich 2050000+).
      • Endpoint-Härtung: Confluence-Prozess (java unter User confluence) via AppArmor/SELinux-Profil einschränken — kein Spawnen von sh, bash, curl, wget, python, nc. Auf Windows: WDAC/AppLocker-Regel, die Child-Prozesse von tomcat/java auf eine Allowlist beschränkt.
      • IAM-Prinzip der minimalen Rechte: Confluence-DB-User darf nur auf eigene DB zugreifen, kein FILE-Privileg (MySQL) bzw. kein pg_read_server_files (Postgres). Kein lokaler Admin/root für den Dienst-Account.
      • Konfigurationsänderung: Marketplace-/Plugin-Upload für Nicht-Admins deaktivieren, anonymen Zugriff global ausschalten (Confluence Admin → Security Configuration → Anonymous Access = off), auch wenn der Exploit Auth nicht benötigt — reduziert Rezidiv-Risiko bei Folge-CVEs.
      • Egress-Filter: Confluence-Host darf ausgehend nur zu definierten Update-Mirrors, DB, LDAP, SMTP; alles andere Default-Deny inklusive DNS über externe Resolver.
    3. Schritt 3 im Runbook

      Detection-Regeln

      • Web-Access-Logs (Tomcat/Reverse-Proxy): POST-Requests auf /template/aui/text-inline.vm, /wiki/template/aui/text-inline.vm oder beliebige *.vm-Pfade mit Response-200 und ungewöhnlich grossem Body sind hochverdächtig. KQL-Skizze: W3CIISLog | where csUriStem endswith ".vm" and csMethod == "POST".
      • Sysmon EID 1 / auditd execve: Prozess-Ancestry java → sh/bash/cmd.exe → curl|wget|powershell|certutil|whoami|id|net user auf Confluence-Hosts. Sigma-Logik: parent_image endswith 'java' and image in ('/bin/sh','/bin/bash','cmd.exe','powershell.exe').
      • Dateisystem-Monitoring (Sysmon EID 11, auditd path): Neue .jsp, .class oder .sh in confluence/confluence/, confluence/temp/, confluence/work/Catalina/. Baseline-Abweichungen sofort eskalieren.
      • Netzwerk-Telemetrie (Zeek conn.log / NetFlow): Ausgehende Verbindungen vom Confluence-Host zu nicht gelisteten IPs auf Ports 4444, 8080, 8443, 1337 sowie DNS-Anfragen zu Pastebin-/Interactsh-/oast-ähnlichen Domains.
      • Atlassian-Audit-Log: Anlegen neuer Admin-User, Reaktivierung disabled Accounts, Plugin-Installationen ausserhalb Change-Windows. SIEM-Alarm auf auditingEvent.action == 'USER_CREATED' und auditingEvent.category == 'PERMISSIONS'.

    Erkennungsregeln

    Für diese Schwachstelle liegt noch keine NEOSEC-Erkennungsregel vor.

    Einordnung nach NIS2 und CRA

    Regelbasierte Einordnung aus Ausnutzungsstatus und Schweregrad. Sie ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

    NIS2

    NIS2 ist die EU-Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus in der Union. Sie weitet Pflichten gegenüber der ersten NIS-Richtlinie deutlich aus: mehr Sektoren, verbindliches Risikomanagement, gestufte Meldepflichten und persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung.

    Im Glossar lesen
    Aktiv ausgenutzt: Behandeln Sie die Schwachstelle im Schwachstellenmanagement nach Art. 21 Abs. 2 lit. e NIS2 vorrangig. Wird sie in Ihrer Umgebung ausgenutzt, prüfen Sie die Meldepflicht nach Art. 23 (Frühwarnung binnen 24 Stunden).
    CRA

    Der CRA ist die EU-Verordnung (EU) 2024/2847 mit horizontalen Cybersicherheitsanforderungen an „Produkte mit digitalen Elementen“ — von Industriesteuerungen über Software bis zu vernetzten Verbrauchergeräten. Erstmals müssen Hersteller Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten, Schwachstellen behandeln und Sicherheitsupdates bereitstellen.

    Im Glossar lesen
    Seit dem 11.09.2026 müssen Hersteller betroffener Produkte mit digitalen Elementen aktiv ausgenutzte Schwachstellen nach Art. 14 CRA melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die zentrale Meldeplattform der ENISA.
    ISO/IEC 27001

    ISO/IEC 27001 ist der international führende Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er beschreibt einen risikobasierten, prozessorientierten Rahmen, um Informationssicherheit systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und zu verbessern.

    Im Glossar lesen
    Maßnahme A.8.8, Management technischer Schwachstellen: Relevanz für Ihre Systeme bewerten, Behebung einplanen und nachweisen.

    Beschreibung

    Eine Vorlageninjektionsanfälligkeit in älteren Versionen von Confluence Data Center und Server ermöglicht es einem nicht authentifizierten Angreifer, RCE auf einer betroffenen Instanz zu erreichen. Kunden, die eine betroffene Version verwenden, müssen sofort handeln. Die neuesten unterstützten Versionen von Confluence Data Center und Server sind von dieser Anfälligkeit nicht betroffen, da sie letztendlich während regelmäßiger Versionsupdates behoben wurde. Dennoch empfiehlt Atlassian den Kunden, darauf zu achten, die neueste Version zu installieren, um ihre Instanzen vor nicht kritischen Schwachstellen zu schützen, die im Sicherheitsbulletin von Atlassian aus Januar beschrieben sind.

    Quelle: pwn.watch, NVD (NIST), CISA KEV Catalog, CVE.org (MITRE), cvelistv5, BSI WID Portal, BSI CSAF

    Betroffene Produkte

    Betroffen sind die folgenden Versionen. Ältere Stände derselben Reihe sind ebenfalls verwundbar, sofern nicht anders angegeben.

    Betroffene Produkte
    Betroffene VersionenBehoben in
    AtlassianConfluence Data Center
    • 8.0.0 – < 8.5.4
    • 8.5.4
    AtlassianConfluence Server
    • 8.0.0 – < 8.5.4
    • 8.5.4
    atlassianconfluence_data_center
    • 8.7.0
    • 8.0.0 – < 8.5.4
    • —
    • 8.5.4
    atlassianconfluence_server
    • 8.0.0 – < 8.5.4
    • 8.5.4

    Hersteller und Produkte

    Öffentliche Exploit-Referenzen

    Öffentlich gemeldete Proof-of-Concepts, Exploit-Module und Detection-Templates zu dieser Schwachstelle. NEOSEC verlinkt ausschließlich auf die Originalquellen und stellt keinen Exploit-Code bereit.

    Öffentliche Exploit-Referenzen
    CISA KEV CatalogCISA Known Exploited Vulnerability (öffnet in neuem Tab)cisa.govaktiv ausgenutzt
    Packet StormAtlassian Confluence SSTI Injection (öffnet in neuem Tab)packetstormsecurity.comPoC (öffentlich gemeldet)gemeldet, nicht verifiziert—

    Quellen & Referenzen

    • confluence.atlassian.compages/viewpage.action?pageId=1333335615Herstellerhinweis
    • jira.atlassian.combrowse/CONFSERVER-93833Issue-Tracker, Herstellerhinweis
    • packetstormsecurity.comfiles/176789/Atlassian-Confluence-SSTI-Injection.htmlExploit, Hinweis Dritter, Schwachstellendatenbank
    • cisa.govknown-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2023-22527government-resource, US-Behörde
    • vicarius.iovsociety/posts/pwning-confluence-via-ognl-injection-for-fun-and…Exploit
    • pwn.watchpwn.watch: Atlassian Confluence Data Center and Server Template Injectionpwn-watch
    • confluence.atlassian.comAtlassian advisory: CVE-2023-22527pwn-watch
    • NVD (NIST)NVD: CVE-2023-22527pwn-watch
    • cisa.govCISA Known Exploited Vulnerabilities Catalogpwn-watch
    Badge einbetten

    Zeigen Sie Schweregrad und KEV-Status dieser Schwachstelle auf Ihrer Seite – mit Link hierher. Das Bild wird stündlich aktualisiert.

    Badge-Vorschau für CVE-2023-22527
    <a href="https://intel.neosec.eu/cve/CVE-2023-22527"><img src="https://intel.neosec.eu/badge/cve/CVE-2023-22527.svg" alt="CVE-2023-22527 – NEOSEC Intel" height="20"></a>