Ivanti MobileIron Sentry: Umgehung der Authentifizierung (CVE-2023-38035)
Veröffentlicht In CISA KEV seit Quellen: SingCERT, pwn.watch, CVE.org
- Aktiv ausgenutzt
- Quelle: CSA/SingCERT So stufen wir ein
- Ransomware
- Exploit öffentlich
Was ist betroffen, was ist zu tun
Eine Sicherheitslücke im MICS Admin-Portal von Ivanti MobileIron Sentry in Versionen 9.18.0 und darunter, die es einem Angreifer ermöglichen könnte, die Authentifizierungskontrollen der Administrationsoberfläche zu umgehen, aufgrund einer unzureichend restriktiven Apache HTTPD-Konfiguration.
Die Schwachstelle wird aktiv ausgenutzt; behandeln Sie sie vorrangig. CISA führt sie als in Ransomware-Kampagnen genutzte Schwachstelle. Die vorliegenden Quellen nennen keine Fix-Version. Prüfen Sie die Herstellerhinweise in den Referenzen unten. Sofortmaßnahmen, Mitigation und Erkennungsregeln stehen im Runbook unten.
- Betroffen
- Ivanti MobileIron Sentry
gte 9.18.0 and below..*
- Ivanti MobileIron Sentry
Unklar, ob und wie Sie betroffen sind? Frage zu dieser Schwachstelle stellen
Metriken
9,8
Priorität
XIEM Effective CVSS: höchste verfügbare CVSS-Bewertung aus NVD- und Herstellerangaben.
Quelle: NVD, CVSS v3
9,8
CVSS v3
Schweregrad Kritisch auf der Skala von 0 bis 10.
Quelle: SingCERT, pwn.watch, CVE.org
99,95 %
EPSS-Score
Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
Quelle: FIRST EPSS, Perzentil 99,97
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- Schweregrad
- Kritisch
Priorität (0–325)
Der Priorisierungs-Score ist eine zusammengeführte Kennzahl, die mehrere Einzelsignale zu einer einzigen, handlungsleitenden Rangfolge verdichtet: technische Schwere (CVSS), Ausnutzungswahrscheinlichkeit (EPSS), der Status als bekannt ausgenutzt (KEV) und der Kontext des betroffenen Assets. Ziel ist die Antwort auf die einzig wirklich wichtige Frage im Schwachstellenmanagement: Was zuerst?
Im Glossar lesen- 257.24 Methodik
Exploit-Reife
Ein Exploit ist Code oder eine Technik, die eine konkrete Schwachstelle gezielt ausnutzt, um ein unbeabsichtigtes Verhalten zu erzwingen — etwa Code auszuführen oder Rechte auszuweiten. Er ist das Werkzeug, das aus einer theoretischen Lücke einen praktischen Angriff macht.
Im Glossar lesen- aktiv ausgenutztQuelle: CSA/SingCERT So stufen wir ein
XIEM Effective CVSS
XIEM® ist das gestufte Managed-Security-Betriebsmodell von NEOSEC und eine eingetragene Marke der NEOSEC GmbH. Es erweitert klassisches SIEM — die zentrale Sammlung, Normalisierung und Korrelation sicherheitsrelevanter Ereignisse — um Endpunkt-Forensik, Netzwerk-Sichtbarkeit und Täuschungstechnik und führt diese zu drei aufeinander aufbauenden Stufen zusammen: Sentry, Orchestrate und Command.
Im Glossar lesen- 9,8 Methodik
CVSS v3
CVSS ist der weltweit verbreitete, offene Standard zur Bewertung der technischen Schwere einer Schwachstelle auf einer Skala von 0 bis 10. Er beschreibt, wie leicht eine Lücke ausnutzbar ist und welchen Schaden sie anrichten kann — nicht jedoch, wie wahrscheinlich ihre tatsächliche Ausnutzung ist. CVSS und das ergänzende EPSS beantworten bewusst unterschiedliche Fragen.
Im Glossar lesen- 9,8
EPSS-Score
Der EPSS-Score ist der absolute Modell-Output für eine einzelne Schwachstelle: die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer realen Ausnutzung in den nächsten 30 Tagen, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1 (bzw. 0 % bis 100 %). Ein Score von 0,42 bedeutet „das Modell schätzt eine 42-prozentige Chance auf reale Ausnutzung binnen 30 Tagen“.
Im Glossar lesen- 99,95 %
- Hoch – Modell schätzt ≥ 50 % Chance auf reale Ausnutzung in 30 Tagen.
EPSS-Perzentil
Das EPSS-Perzentil ist die relative Einordnung einer Schwachstelle innerhalb aller EPSS-bewerteten CVEs, ausgedrückt als Wert zwischen 0 und 1. Ein Perzentil von 0,90 bedeutet „diese CVE hat einen höheren EPSS-Score als 90 % aller anderen bewerteten CVEs“. Anders als der EPSS-Score ist es keine Wahrscheinlichkeit — sondern eine Positionierung im Ranking.
Im Glossar lesen- 99,97
- Kritisch – CVE liegt im obersten Fünftel aller heute bewerteten CVEs (Rang ≥ 80 %).
KEV-Status
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt
- Veröffentlicht
In CISA KEV seit
Der KEV-Katalog ist eine von der US-Behörde CISA gepflegte Liste von Schwachstellen, für die eine aktive Ausnutzung in der Praxis nachgewiesen ist. Er beantwortet nicht die Frage „wie schwer?“, sondern „wird es bereits angegriffen?“ — und priorisiert damit das Patchen scharf.
Im Glossar lesen
Behebung und Mitigation
Warum sofort handeln?
Priorisierung
Die Lücke ist ohne Authentisierung und Benutzerinteraktion über das Netz ausnutzbar und führt zur vollständigen Übernahme einer Perimeter-Appliance mit root-Rechten. Öffentliche Proof-of-Concepts existieren, die Ausnutzungswahrscheinlichkeit gehört zu den höchsten überhaupt, und CISA führt eine bekannte Nutzung in Ransomware-Kampagnen. Typische Ziele sind Organisationen, die Ivanti/MobileIron für den mobilen Zugriff auf Exchange und interne Apps einsetzen. Die Sentry hält dabei Zugangsdaten und Kerberos-Delegation zu Kernsystemen und eignet sich so als Brückenkopf ins interne Netz. Ist Port 8443 extern erreichbar, gilt höchste Priorität mit Patch und Kompromittierungsprüfung sofort. Ist das Admin-Portal strikt auf ein Management-Netz beschränkt, sinkt das unmittelbare Risiko deutlich, der Patch bleibt aber kurzfristig verpflichtend.
Schritt 1 im Runbook
Sofort-Response (0-24 h)
- Exposition sofort klären: Prüfen, ob das MICS Admin Portal (System Manager, standardmäßig TCP 8443) aus dem Internet oder aus nicht-administrativen Netzsegmenten erreichbar ist. Ein extern erreichbares Admin-Portal gilt als akuter Notfall. Den Zugriff dann sofort per Perimeter-Firewall oder ACL auf das Management-Netz beschränken.
- Patch einspielen: Ivanti stellt RPM-basierte Sicherheitsupdates für die unterstützten Sentry-Releases bereit (betroffen sind 9.18.0 und älter). Die Patch-Version bitte im Vendor-Advisory nachschlagen. Nicht mehr unterstützte Releases zuerst auf eine supportete Version anheben und danach patchen.
- Kompromittierung prüfen, bevor wieder vertraut wird: Der Fehler erlaubt nicht authentisierte Konfigurationsänderungen und Befehlsausführung als root. Deshalb Apache-Access-Logs und System-Logs der Appliance sichern, bevor gepatcht oder neu gestartet wird (Beweissicherung).
- Zugangsdaten rotieren: Das gilt bei jedem Verdacht auf Zugriff von außen auf das Admin-Portal. Betroffen sind lokale Sentry-Admin-Konten sowie die auf Sentry hinterlegten Zugangsdaten für EPMM/MobileIron Core, Exchange/ActiveSync, Kerberos-KCD-Servicekonten und Zertifikate (private Schlüssel).
- Bei bestätigter Kompromittierung: Die Appliance vom Netz trennen und aus einem sauberen Image neu aufsetzen, nicht bloß patchen. Danach nachgelagerte Systeme (Exchange, AD, EPMM) auf laterale Bewegung untersuchen. Je nach Sektor die NIS2-Meldefrist beachten: Frühwarnung an das BSI innerhalb von 24 h.
Schritt 2 im Runbook
Mitigation-Layer
- Netzsegmentierung: Den Admin-Port 8443 nur aus einem dedizierten Admin-VLAN oder über einen Jump-Host freigeben. Die öffentliche Schnittstelle der Sentry darf ausschließlich die Gateway-Ports (z. B. 443 für ActiveSync/AppTunnel) anbieten.
- Ausgehender Datenverkehr der Appliance: Egress-Allowlist auf EPMM, Backend-Server (Exchange, App-Server), NTP, DNS und Syslog beschränken. Alle anderen Verbindungen aus dem Sentry-Netz blockieren und protokollieren, um Reverse Shells und das Nachladen von Werkzeugen zu unterbinden.
- IPS/WAF: Eine Regel für HTTP-POST-Anfragen auf Pfade unterhalb von
/mics/services/(u. a.MICSLogService,configService) aus nicht autorisierten Quellnetzen setzen. Beispiel-Idee für Suricata:alert http any any -> $SENTRY_HOSTS 8443 (msg:"Ivanti Sentry MICS services access CVE-2023-38035"; flow:to_server; http.method; content:"POST"; http.uri; content:"/mics/services/"; sid:...;). Herstellersignaturen der eingesetzten IPS-Lösung zusätzlich aktivieren. - Identitäts- und Berechtigungsmanagement: Die Servicekonten der Sentry, z. B. für KCD, auf minimale Rechte prüfen. Keine Domänen-Admin-Rechte vergeben und die Delegation nur auf die benötigten SPNs beschränken.
- Protokollierung: Syslog der Appliance (Apache-Access-Log, System-Log) zentral an das SIEM weiterleiten. Lokale Logs kann ein Angreifer mit root-Rechten manipulieren.
Schritt 3 im Runbook
Detection-Regeln
- Webserver-Access-Log (Sentry Apache): Anfragen auf
/mics/services/*, insbesondereMICSLogService, aus Quell-IPs außerhalb des Admin-Netzes. Beispiel in SPL:index=sentry sourcetype=apache:access uri_path="/mics/services/*" NOT src_ip IN (10.10.50.0/24). - Netzwerk-Telemetrie (Zeek/Firewall): Eingehende Verbindungen auf TCP 8443 der Sentry von externen oder unerwarteten internen Adressen. Beispiel in KQL:
CommonSecurityLog | where DestinationIP in (sentry_ips) and DestinationPort == 8443 and not(ipv4_is_in_range(SourceIP, "10.10.50.0/24")). - Ausgehende Anomalien: Neue ausgehende Verbindungen der Sentry zu Internet-Adressen außerhalb der Allowlist, etwa langlebige TCP-Sessions auf ungewöhnlichen Ports (Reverse-Shell-Muster) oder HTTP-Downloads über curl/wget. Hierzu Zeek-
conn.logmitid.orig_h= Sentry-IP auswerten. - Konfigurationsintegrität: Unerwartete Konfigurationsänderungen, neue Admin-Konten, geänderte Syslog-Ziele oder neue Cron-Einträge im Sentry-System-Log oder in der EPMM-Audit-Ansicht. Die aktuelle Konfiguration mit einem bekannten guten Export abgleichen.
- Nachgelagerte Systeme: Auffällige Anmeldungen der Sentry-Servicekonten im AD (Event ID 4624/4769 mit ungewöhnlichen Ziel-SPNs oder von anderen Quellhosts als der Sentry).
- Webserver-Access-Log (Sentry Apache): Anfragen auf
Erkennungsregeln
Für diese Schwachstelle liegt noch keine NEOSEC-Erkennungsregel vor.
Einordnung nach NIS2 und CRA
Regelbasierte Einordnung aus Ausnutzungsstatus und Schweregrad. Sie ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
NIS2
NIS2 ist die EU-Richtlinie (EU) 2022/2555 zur Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus in der Union. Sie weitet Pflichten gegenüber der ersten NIS-Richtlinie deutlich aus: mehr Sektoren, verbindliches Risikomanagement, gestufte Meldepflichten und persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung.
Im Glossar lesen- Aktiv ausgenutzt: Behandeln Sie die Schwachstelle im Schwachstellenmanagement nach Art. 21 Abs. 2 lit. e NIS2 vorrangig. Wird sie in Ihrer Umgebung ausgenutzt, prüfen Sie die Meldepflicht nach Art. 23 (Frühwarnung binnen 24 Stunden).
CRA
Der CRA ist die EU-Verordnung (EU) 2024/2847 mit horizontalen Cybersicherheitsanforderungen an „Produkte mit digitalen Elementen“ — von Industriesteuerungen über Software bis zu vernetzten Verbrauchergeräten. Erstmals müssen Hersteller Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus gewährleisten, Schwachstellen behandeln und Sicherheitsupdates bereitstellen.
Im Glossar lesen- Seit dem 11.09.2026 müssen Hersteller betroffener Produkte mit digitalen Elementen aktiv ausgenutzte Schwachstellen nach Art. 14 CRA melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die zentrale Meldeplattform der ENISA.
ISO/IEC 27001
ISO/IEC 27001 ist der international führende Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS). Er beschreibt einen risikobasierten, prozessorientierten Rahmen, um Informationssicherheit systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und zu verbessern.
Im Glossar lesen- Maßnahme A.8.8, Management technischer Schwachstellen: Relevanz für Ihre Systeme bewerten, Behebung einplanen und nachweisen.
Beschreibung
Eine Sicherheitslücke im MICS Admin-Portal von Ivanti MobileIron Sentry in Versionen 9.18.0 und darunter, die es einem Angreifer ermöglichen könnte, die Authentifizierungskontrollen der Administrationsoberfläche zu umgehen, aufgrund einer unzureichend restriktiven Apache HTTPD-Konfiguration.
Originalquelle nur englisch verfügbar, maschinell ins Deutsche übersetzt.
Quelle: CSA/SingCERT, pwn.watch, NVD (NIST), cvelistv5, CISA KEV Catalog, CVE.org (MITRE)
Betroffene Produkte
Betroffen sind die folgenden Versionen. Ältere Stände derselben Reihe sind ebenfalls verwundbar, sofern nicht anders angegeben.
| Betroffene Versionen | Behoben in | ||
|---|---|---|---|
| Ivanti | MobileIron Sentry |
|
|
| ivanti | mobileiron_sentry |
|
|
Hersteller und Produkte
Öffentliche Exploit-Referenzen
Öffentlich gemeldete Proof-of-Concepts, Exploit-Module und Detection-Templates zu dieser Schwachstelle. NEOSEC verlinkt ausschließlich auf die Originalquellen und stellt keinen Exploit-Code bereit.
| CISA KEV Catalog | CISA Known Exploited Vulnerability (öffnet in neuem Tab)cisa.gov | aktiv ausgenutzt | |
| CSA/SingCERT | Critical Zero-Day Vulnerability in Ivanti Sentry Products (öffnet in neuem Tab)CSA/SingCERT | aktiv ausgenutzt | |
| Packet Storm | Ivanti Sentry Authentication Bypass Remote Code Execution (öffnet in neuem Tab)packetstormsecurity.com | PoC (öffentlich gemeldet)gemeldet, nicht verifiziert | — |
Quellen & Referenzen
- forums.ivanti.coms/article/CVE-2023-38035-API-Authentication-Bypass-on-Sentry-Ad…Herstellerhinweis
- packetstormsecurity.comfiles/174643/Ivanti-Sentry-Authentication-Bypass-Remote-Code-Ex…Exploit, Hinweis Dritter, Schwachstellendatenbank
- cisa.govknown-exploited-vulnerabilities-catalog?field_cve=CVE-2023-38035government-resource, US-Behörde
- pwn.watchpwn.watch: Ivanti Sentry: Authentication Bypass (CVE-2023-38035)pwn-watch
- forums.ivanti.comVendor advisory: Ivanti Sentrypwn-watch
- NVD (NIST)NVD: CVE-2023-38035pwn-watch
- cisa.govCISA Known Exploited Vulnerabilities Catalogpwn-watch
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